GEMEINDE - AKTUELL

Pfarre Becker stellt such vor:

Liebe Leserin, lieber Leser,
liebe Gemeinde!

1961 bin ich im Ruhrgebiet geboren und im reformierten Siegerland aufgewachsenen und konfirmiert worden. Dort beeindruckten mich die tiefe Frömmigkeit vieler Menschen und die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift.
Ich erlebte im Siegerland eine Theologie, in der die Welt aufgeteilt war in Bekehrte und nicht Bekehrte, Christen und Andere… Die Einen hatten Zugang zum „Heil“ in Jesus Christus, die anderen waren „verloren“. Aber: Sollte die Liebe Gottes in Christus nicht auch die `Verlorenen´ mit einschließen? „Lässt Gott nicht seine Sonne aufgehen über Böse und Gute?“ (Mt 5,45)
An zwei Fragen entschied sich, warum ich Theologie studieren wollte: Wie weit und kraftvoll denken wir die „Liebe Gottes“, und welche Rolle spielt diese Überzeugung in der Gestaltung von Kirche und Gesellschaft?
Ich studierte Theologie in Kiel und Marburg, lernte dort meine Frau kennen und gemeinsam zogen wir nach einem Zwischenjahr, das geprägt war von Jazz und Jugendhilfe, nach Bielefeld. Nach 7 Jahren pastoraler Mitarbeit in den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel bin ich jetzt seit 11 Jahren Gemeindepfarrer in der ev. lutherischen Zionsgemeinde und arbeite mit viel Lust und Freude in den Pfarrbezirken Schillingshofsiedlung und Eckardtsheim. Hier leben wir glücklich als Familie mit drei Kindern, einem Hund und einem Haus.
Wie komme ich dazu, mich als Pfarrer einer lutherischen Gemeinde für eine neue Stelle in einer reformierten Gemeinde zu interessieren? Bei der Gemeindearbeit in Eckardtsheim stellte sich für mich nicht die konfessionelle Frage, denn die Mehrheit aller Kirchengemeinden in Bielefeld sind lutherisch, und Mehrheiten – ich mittendrin – neigen nicht dazu, sich in Frage zu stellen. Vielleicht hat sich die konfessionelle Frage in einer unierten Kirche auch überholt. Doch als ich im Advent letzten Jahres gefragt wurde, ob ich mir vorstellen kann, Gemeindepfarrer einer reformierten, diakonisch geprägten Gemeinde außerhalb Bielefelds zu werden, wurde mir deutlich: Wenn ich das, was mir theologisch zentral wichtig ist, konfessionell denke und in die Jahrhunderte kirchengeschichtlicher Tradition stelle, dann sollte ich in eine reformierte Gemeinde wechseln, denn ich bin von Herzen reformiert. Das bedeutet für mich zuallererst: Die Versöhnung der ganzen Welt in Christus, diese Liebe Gottes, ist Ausgangspunkt und Grundlage für alles andere: Das „Evangelium kommt vor dem Gesetz“, die Welt, nicht nur die Kirche, ist auf das Evangelium bezogen. Wir sind eingeladen, unsere Wirklichkeit im Hinblick auf das Evangelium zu gestalten. Die basisdemokratische Grundstruktur der reformierten Kirche, ihre Achtsamkeit in Bezug auf die Heilige Schrift, ihre Bereitschaft, Gottes- und Menschenbilder immer wieder zu hinterfragen, und der unablässige Versuch, konkret das „Reich Gottes“ voranzubringen, begeistert mich an der reformierten Tradition. Liturgie und Gottesdienstformen spielen dabei eher eine untergeordnete Rolle, wenn sich die Gleichheit aller Glieder am Leib Christi in der Form des Gottesdienstes erweist.
Nach 18 Jahren in Eckardtsheim freue ich mich nun, etwas Neues zu beginnen. Ich lasse viel zurück: Eine lebendige Gemeinde in zwei Pfarrbezirken, tolle Kirchenmusik, engagierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene, hervorragende personelle und räumliche Ausstattung – und viele Jahre gelebter und gestalteter Gemeindearbeit. Es ist uns und insbesondere unseren Kindern ein Geschenk, bei dem Wechsel einer Pfarrstelle mit neuen Aufgaben nicht umziehen zu müssen.
Was ist mir wichtig an Kirche und Gemeinde? Was wünsche ich mir?
Ich sehne mich nach einer Kirche, die sich durch die Botschaft Jesu Christi inspirieren lässt und theologisch kompetent religiöse Themen zur Sprache bringt. Ich hoffe auf eine Sprache, die auch nicht kirchliche Menschen verstehen, die inhaltlich dicht bleibt und in der auch in liturgischer Sprache Frauen und Männer gleichberechtigt sind.
In der Kirche suche ich spirituelle Tiefe, Offenheit und Weite im Glauben und in religiösen Formen, die den traditionsreichen Schatz der Kirche in neuen Formen und gottesdienstlicher Praxis weiterführen.
Ich frage nach einer Kirche, die sich im konziliaren Prozess um „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ eindeutig einbringt, ohne anzuklagen und zu spalten, in der Arme zuhause sind wie Reiche und in der das Evangelium Solidarität stiftet über Grenzen hinweg.
Ich wünsche mir eine Kirche, in der Menschen Trost, Begleitung und Unterstützung finden und sich einbringen mit ihren eigenen Möglichkeiten.
An dieser Kirche möchte ich mit vielen anderen mitarbeiten.
Die Kirche von morgen wird in vielen Bereichen anders aussehen als die Kirche von heute. Darum wird es auch darum gehen, eine Kirchengemeinde weiterzuentwickeln, eingeschlagene Wege zu vertiefen und neue Wege zu entdecken. Hier sind wir gemeinsam auf dem Weg.

Ich freue mich auf Sie und Ihre – unsere - Gemeinde!

In neuer Verbundenheit

Ihr

Bertold Becker