Geschichtliches
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Geschichte weitere Informationen über die Süsterkirche, zusammengestellt von Dr. Karl-Christoph Flick |
Im Jahre 1491 gründeten Augustinerinnen das Schwesternhaus "Zum Mariental". Sie übten praktische Frömmigkeit in der Nachfolge Jesu Christi und widmeten sich der Armen- und Krankenpflege. Die Bielefelder Bürger nannten ihre Niederlassung "Süsterhaus" (Schwesternhaus), und obwohl die Kirche seit über 300 Jahren das Gotteshaus der Bielefelder Reformierten ist, wird sie bis heute auch Süsterkirche genannt. Geistlicher Mittelpunkt der Gemeinschaft war damals die Kapelle, ein einschiffiger gotischer Bau mit vier Jochen und einem Dachreiter mit Glocke (Jahreszahl 1514). Infolge der Reformation löste sich die Schwesterngemeinschaft zu Beginn des 17. Jahrhunderts auf, die unbenutzte Kirche verfiel allmählich. Nachdem die Grafschaft Ravensberg 1649 endgültig brandenburgisch geworden war, gab es in Bielefeld 1657 auf der Sparrenburg den ersten reformierten Gottesdienst. Aus der Schlosskapelle befinden sich noch eine Kanzelbibel sowie Abendmahlsgeräte im Besitz der Gemeinde. In den folgenden Jahren nahm die Zahl der Reformierten stark zu, sodass man ein Gesuch an den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm um Überlassung der baufälligen Süsterkiche schickte. 1671 erfolgte die Schenkung, aber erst am 25. Janaur 1682 konnte der erste reformierte Gottesdienst in der Süsterkiche gefeiert werden. Auch die übrigen Gebäude des ehemaligen Klosters kamen in den Besitz der Gemeinde, Reformierte Schule, Pfarrer-, Schulmeister- und Kantorwohnungen fanden dort ihren Platz. Die reformierte Schule wurde erst 1834 geschlossen. In den zwei Jahrhunderten von 1657 bis 1850 nahm die Zahl der Gemeindeglieder von ca. 150 auf rund 500 zu. Vierzig Jahre später, 1890, waren es bereits 2.500, um bis 1900 auf 4.000 und 1910 sogar uf 6.250 zu steigen. Die Industrialisierung zog in diesen Jahren vor allem aus dem reformierten Lippe viele Menschen nach Bielefeld, wo sie eher Arbeit fanden als in ihrer bäuerlichen Heimat. Die wachsende reformierte Gemeinde brauchte eine größere Kirche. Nachdem die Süsterkirche bereits 1861 den Westturm (27 m hoch) erhalten hatte, wurde sie 1891/92 durch ein Querschiff und den Chorraum erweitert, sodass nun rund 250 Menschen in ihr Platz fanden. Dabei ist die Leistung des Baumeisters Trappen besonders zu würdigen. Er hat das ursprüngliche Langhaus so erweitert, dass die Kirche einen stilistisch geschlossenen Eindruck macht. Bemerkenswert sind die Schnitzereien in der Kirche, besonders der typisch reformierte Abendmahlstisch. Auch das 1929 im Chorraum angebrachte Mosaik fügt sich in die Proportionen und Maße des Kirchenraumes ein. Der Zweite Weltkrieg traf die Süsterkirche hart. Bei dem Bombenangriff auf Bielefeld am 30. September 1944 brannte der gesamte Dachstuhl nieder, Regen und Schnee des folgenden Winters richteten großen Schaden an. Durch das Engagement viele Gemeindeglieder konnte die Kirche jedoch bereits 1948 wieder in Gebrauch genommen werden. Die Orgel wurde wieder spielbar gemacht, neue Kirchenfenster, ornamental und farbig zurückhaltend gestaltet, wurden 1950/51 eingesetzt. Im Jahr 1971 erfolgte die letzte größere Renovierung, bei der das Gestühl erneuert und eine neue Kleuker-Orgel mit jetzt 25 Registern angeschafft wurden. Auf Grund der zahlreichen Konzerte in der Kirche, die gern auch von nichtkirchlichen Veranstaltern genutzt wird, wurden 1998 Teile des Gestühls umgebaut, sodass der Platzbedarf im Chorraum heute flexibler gestaltet werden kann. |
| Die Ev.-reformierte Kirchengemeinde Bielefeld heute |
Die Ev.-reformierte Kirchengemeinde Bielefeld ist heute eine von 35 Kirchengemeinden im Kirchenkreis Bielefeld. Von den Mitte des 20. Jahrhunderts über 6000 Gemeindegliedern sind es heute rund 3000. Dieser überproportionale Rückgang hängt vor allem mit den weiten Wegen viele Gemeindeglieder zusammen und der Unbekanntheit einer Bielefelder Reformierten Gemeinde bei Zuzügen von Menschen reformierten Herkommens. Die Mitgliedschaft in der Gemeinde heute zeichnet sich bei vielen Gemeindegliedern durch ein hohes Maß an Verbundenheit und Identifizierung aus. Die Gottesdienste sind - vergleichsweise - gut besucht, auch die Gruppen und Kreise der Gemeinde werden trotz weiter Wege gerne angenommen. Die Arbeit mit Konfirmanden/innen wurden in der Vergangenheit neu konzipiert und findet jetzt aufgrund der Personalgemeindesituation nicht mehr wöchentlich, sondern monatlich statt. Vor allem jüngere Menschen finden durch die Jugendarbeit und den über die Gemeindegrenzen bekannten Posaunenchor eine Heimat. |
| Die eigene Gemeindepflegestation |
Seit Anfang des letzen Jahrhunderts hat die Ev.-reformierte Gemeinde eine eigene Gemeindepflegestation. Bis zum Jahr 1982 haben Diakonissen aus dem Mutterhaus Detmold auf verschiedenste Art und Weise die Gemeinschaft durch ihre Mitwirkung geprägt. Seitdem arbeiten examinierte Krankenschwestern/-pfleger in der Gemeindepflegestation. Sowohl die Strukturreform der 1970er Jahre (Zusammenlegung zu einer Diakoniestation für mehrere Gemeinden) als auch die Einführung der Pflegeversicherung stellte die Fortführung dieser diakonischen Tätigkeit nicht in Frage. Heute ist die Gemeindepflegestation eine der wenigen diakonischen Einrichtungen innerhalb Westfalens, die ausschließlich von einer einzelnen Gemeinde getragen wird. Das ist nicht einfach ein Festhalten an einer Tradition. Dabei steht im Vordergrund, dass Kranke, Behinderte und hilfsbedürftige alte Menschen von Schwestern/Pflegern betreut werden, die sich auch kennen und zu denen sie eine feste Beziehung aufbauen können. Pflege ist mehr als nur ambulante Versorgung, gleich welche Träger diese Versorgung übernimmt. Die Finanzierung dieser Arbeit kann nicht über die Kranken- oder Pflegeversicherung allein gedeckt werden. Auch die bisherigen Spenden und Kollekten konnten den jährlichen Mehrbedarf von rund 31.000€ pro Jahr nicht garantieren. Darum wurde 1997 ein Förderverein gegründet, um diese wichtige Arbeit, die zum wesentlichen Profil der Ev.-reformierten Gemeinde Bielefeld gehört, zu unterstützen. Nach bisheriger Einschätzung wird dies auch mit den 350 Mitgliedern gelingen. |
| Die Kollektenkarte |
"Warum sollte eine Gemeinde ihren Mitgliedern und Gottesdienstbesuchern nicht die Möglichkeit geben, die sonntäglichen Kollekten - wie bei Einzelspenden üblich - von der Steuer absetzen zu können?" Mit dieser Fragestellung und der Anfrage wurde in der Gemeinde 1997 lange diskutiert. Nach gründlicher Überlegung und Vorbereitung wurde dann die Kollektenkarte neben der bishe üblichen Form der direkten Gabe des Geldes in den Klingelbeutel eingeführt. Als Service vor allem für jene Gottesdienstbesucher/innen, die häufig kommen und übers Jahr relativ viel zu geben bereit sind. Mit dem Kauf von Kollektenkarten im Gemeindeamt (2, 5, 10 und 20 Euro) wird ab einer Höhe von 50 Euro eine Spendenquittung ausgestellt, die beim Finanzamt eingereicht werden kann. Die Kollektenkarten sind 2 Jahre gültig, nichteingelöste Karten kommen den diakonischen Aufgaben der Gemeinde zugute. |
| Inventar | Schnitzwerk an der Orgelempore, 16./17. Jahrhundert Abendmahlstisch, Schenkung einer holländischen Gemeinde, 17./18. Jahrhundert Kanzel mit alten Teilen (Engelsköpfe), 1891 2 Patenen (16 cm/23 cm); Schenkung von der Pröbstin zu Schildesche, 1750 3 Abendmahlskelche: 18 cm, silber vergoldet; gestiftet von Wolf Ernst von Eller und Julia Charlotte, geb. von Calckum, 15./16. Jahrhundert 23 cm, silber vergoldet, ohne Schmuck; Berliner Werkstatt, 1700-1750 24 cm, silber vergoldet; von 12 Gemeindegliedern gestiftet, 25.12.1901 Weinkanne von Otto Manlich, Berlin; Goldschmied und Vorsteher der Ev.-ref. Gemeinde Berlin, 1700-1750 Taufschale, Silber getrieben; von Joachim Sander, Schenkung aus Berlin, 1675-1699 |
